Suche nach atomarem Endlager: Nur fünf Prozent der Bundesfläche geeignet
Bei der Suche nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager in Deutschland kommen weniger als fünf Prozent des Bundesgebietes in Frage. Das ist das Ergebnis eines am Dienstag veröffentlichten Zwischenberichts der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) in Peine. Demnach befinden sich die weiter in Betracht kommenden Gebiete sowohl im Süden als auch Osten sowie Norden und Nordwesten der Bundesrepublik. Im Jahr 2025 war noch etwa ein Viertel der Fläche Deutschlands im Rennen.
Ziel der Endlagersuche ist es, den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle zu ermitteln. Für die Beurteilung geeigneter Wirtsgesteine haben die Expertinnen und Experten der BGE nach eigenen Angaben Millionen geologischer Datensätze über den Untergrund Deutschlands ausgewertet. Die Bundesgesellschaft hat nun letztmalig einen aktuellen Arbeitsstand zur Endlagersuche veröffentlicht, bevor Ende 2027 einige wenige Regionen in Deutschland für die Erkundung vorgeschlagen werden sollen.
"Wir sind zuversichtlich, dass wir mit dem laufenden Standortauswahlverfahren einen hervorragenden Standort für die hochradioaktiven Abfälle in Deutschland finden werden", erklärte die Vorsitzende der BGE-Geschäftsführung, Iris Graffunder. Mit dem jetzt veröffentlichten Zwischenbericht werde "frühzeitige Transparenz für die Menschen in Deutschland" geschaffen.
Die Anti-Atom-Initiative ausgestrahlt warf der Bundesgesellschaft für Endlagerung Intransparenz bei der Einstufung geeigneter Endlager-Regionen vor. Die dazu erforderlichen geologischen Daten seien für die Öffentlichkeit "weiter unter Verschluss", erklärte die Initiative. Nur eine kritische Öffentlichkeit könne verhindern, "dass am Ende doch wieder ein ungeeigneter Standort das Rennen macht – wie schon in Gorleben, der Asse und Schacht Konrad".
Der atompolitische Berichterstatter der Grünen- Bundestagsfraktion, Harald Ebner, sprach von einem "wichtigen Meilenstein" bei der Suche nach einem atomaren Endlager. Von der "weißen Karte" über ganz Deutschland seien nun alle Regionen bekannt, die grundsätzlich geeignet sind, "die 1900 Castoren mit hochradioaktivem Müll für 30.000 Generationen unter der Erde zu lagern". Eine zügige Endlagersuche sei "gerade in einer angespannten Weltlage mit zunehmender hybrider Bedrohung wichtig und dringlich".
Die Bundesregierung müsse nun ein Konzept für die komplette Zwischenlagerung erarbeiten, "das den gesamten Zeitraum bis zur Endlagerung betrachtet und weitere Schutzmaßnahmen gegen neue Bedrohungen ins Auge fasst", forderte Ebner. Wer Akzeptanz für die Endlagersuche schaffen wolle, müsse aber "aufhören, den Menschen immer wieder neu Märchen vom Wiedereinstieg in die Atomkraft aufzutischen".
A.Riccobono--INP