Netanjahu droht nach Angriff in Hebron mit Großoffensive im Westjordanland
Nach dem Tod zweier israelischer Soldaten bei einem palästinensischen Angriff im besetzten Westjordanland hat Regierungschef Benjamin Netanjahu eine großangelegte Militäroffensive angekündigt. "Der Verteidigungsminister und ich erwägen eine sehr weitreichende Militäroperation in Judäa und Samaria, wie es sie seit dem Sechstagekrieg nicht mehr gegeben hat", sagte Netanjahu am Freitag bei einem Besuch in Hebron. Er verwendete dabei die biblischen Namen für das Westjordanland.
"Die Armee ist bereit, sie auszuführen, und wir werden den Zeitpunkt festlegen. Aber sie wird kommen", sagte Netanjahu. Für einen ersten Einsatz kündigte er an: "Wir werden die Bewohner evakuieren, wir werden von Haus zu Haus gehen, wir werden auch dort die Waffen beschlagnahmen, und die gesamte terroristische Infrastruktur wird angegangen und zerstört werden."
Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, in Hebron solle nach dem Vorbild der israelischen Militäreinsätze in Flüchtlingslagern im nördlichen Westjordanland vorgegangen werden. Netanjahus Ankündigung erfolgte wenige Tage vor der israelischen Parlamentswahl am Dienstag.
Zwei bewaffnete Palästinenser hatten am Freitagmorgen an einem Kontrollpunkt nahe Hebron das Feuer auf israelische Soldaten eröffnet. Bei dem Angriff wurden zwei israelische Soldaten getötet, drei weitere Soldaten wurden verletzt. Die beiden Angreifer wurden erschossen.
Ein AFP-Fotograf beobachtete den Schusswechsel und sah anschließend die Leichen der beiden erschossenen Angreifer. Der israelische Rettungsdienst hatte zunächst von fünf verletzten Israelis gesprochen. Zwei der Soldaten erlagen aber ihren schweren Verletzungen.
Netanjahu erklärte, Hebron und die benachbarte Stadt Halhul seien vollständig abgeriegelt worden. Die Armee begann nach eigenen Angaben mit Razzien im Raum Hebron.
Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas begrüßte den Angriff als "heldenhafte Operation", bekannte sich aber nicht dazu. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich forderte ein Vorgehen "genau wie im Gazastreifen" und ordnete nach eigenen Angaben den Abriss palästinensischer Bauten nahe dem Tatort an.
Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir verlangte die Auflösung der Palästinensischen Autonomiebehörde. Hinweise auf deren Beteiligung an dem Angriff lagen nicht vor.
Anfang 2025 hatte Israel in Flüchtlingslagern im nördlichen Westjordanland einen großangelegten Militäreinsatz begonnen. Nach UN-Angaben konnten bis Juli mehr als 33.000 vertriebene Palästinenser nicht zurückkehren.
F.dAmico--INP