Deutliches Auftragsplus für Baugewerbe im Juni - Branche sieht noch keine Wende
Die Unternehmen im Bauhauptgewerbe haben im Juni deutlich mehr Aufträge erhalten. Im Vergleich zum Vormonat stieg der Auftragseingang um 6,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Die Branche bleibt dennoch vorsichtig und verweist auf eine insgesamt weiterhin verhaltene Entwicklung im ersten Halbjahr.
Im Mai hatten die Auftragseingänge laut Statistikamt um 3,3 Prozent zugelegt, im April hatte das Ordervolumen stagniert. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich ergibt sich so ein Plus von 5,7 Prozent. "Im ersten Halbjahr lag der Umsatz weiterhin unter dem Vorjahresniveau, und das Ifo-Institut meldet zuletzt sogar wieder mehr stornierte Bauvorhaben", gab jedoch der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa, zu bedenken.
"Der Juni war ein guter Monat für die Bauwirtschaft", erklärte er. "Aber nach einem schwankenden ersten Halbjahr wäre es verfrüht, jetzt schon von einer Bauwende zu sprechen." Es fehle weiterhin an Planbarkeit, bei der staatlichen Förderung und insbesondere bei der Entwicklung der Baukosten.
Nach Angaben des Statistikamts trugen mehrere Großaufträge zu der guten Entwicklung im Juni bei. Der Auftragseingang im Hochbau stieg um 8,5 Prozent, im Tiefbau um 4,0 Prozent.
Ob es sich bei den guten Juni-Zahlen tatsächlich eine "unerwartete Trendwende oder nur um ein einmaliges Monats-Strohfeuer handelt, bleibt abzuwarten", erklärte auch der Hauptgeschäftsführer vom Verband der Bauindustrie, Tim-Oliver Müller.
Die Umsatzentwicklung der Unternehmen war im Juni ebenfalls deutlich positiv: Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg der preisbereinigte Umsatz um 6,6 Prozent. Nominal, also ohne Berücksichtigung der Inflation, stieg er um 11,5 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro. Die Zahl der im Bauhauptgewerbe tätigen Menschen stieg im Jahresvergleich um 1,5 Prozent auf 545.000.
"Es gilt nach wie vor: Umsatz ist noch kein Ertrag", schränkte Müller ein. "Angesichts der gestiegenen Kosten, die nicht eins zu eins an den Auftraggeber weitergegeben werden können, sind die Unternehmer hinsichtlich des Ertrags pessimistisch."
E.Accardi--INP