Organspende: Bundestagspräsidentin Klöckner will gegen Widerspruchslösung stimmen
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) will im Bundestag gegen die Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende stimmen. Sie sei für die Organspende, aber "gegen die Einführung der Widerspruchslösung", sagte Klöckner nach Angaben vom Dienstag im Podcast "Meine schwerste Entscheidung" der Funke Medien. "Es ist schon ein Unterschied, ob ich proaktiv aus freien Stücken zu etwas zustimme oder ob der Staat für mich erstmal eine Entscheidung trifft, generisch: Du bist erstmal Organspender."
Derzeit müssten Verbraucher sogar den Cookies beim Besuch einer Internetseite proaktiv zustimmen, sagte Klöckner weiter. "Nur wenn es um das Intimste, das Innerste geht bei einem Menschen, den eigenen Körper, soll der Staat dann sagen: Weil es praktischer ist, du bist erstmal Lieferant und wenn du das nicht willst, musst du proaktiv widersprechen?", fügte die CDU-Politikerin hinzu. "Das sind zwei unterschiedliche Freiheitsverständnisse."
Klöckner äußerte zudem die Befürchtung, dass die Einführung der Widerspruchslösung dazu führe, "dass man erstmal schnell widerspricht, damit man widersprochen hat, und sich vielleicht dann gar nicht mehr damit beschäftigt". Die mögliche Folge sei, dass dann vielleicht "potenzielle Organspender fehlen, weil sie einmal widersprochen haben".
Die CDU-Politikerin betonte jedoch ausdrücklich, dass sie Organspenden unterstützt und sich dafür einsetzt, die Anzahl der Organspenden zu erhöhen. Sie selbst habe seit ihrem 16 Lebensjahr einen Spenderausweis. Es müsse sehr klar gesagt werden, "dass wir ein Problem haben", sagte Klöckner. Die Bevölkerung in Deutschland müsse stärker mit dem Thema konfrontiert werden, etwa durch ein Schreiben der Krankenkasse.
Der Bundestag debattiert derzeit über eine Neuregelung der Organspende. Dabei geht es um die Einführung der sogenannten Widerspruchslösung. Diese zielt darauf ab, dass künftig grundsätzlich jeder als Organspender in Frage kommt, der dem nicht ausdrücklich widerspricht. Damit soll die Zahl dringend benötigter Organspenden erhöht werden.
Über die Reform könnte in einigen Wochen final abgestimmt werden. Dies dürfte voraussichtlich ohne Fraktionszwang erfolgen, als Gewissensentscheidung, wie das bei medizinethischen Themen oft der Fall ist.
R.Accetta--INP