Schwere Kämpfe zwischen Tigray-Rebellen und Armee - Internetausfall in Nordäthiopien
In Äthiopien halten die Gefechte zwischen Kämpfern der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) und den Regierungstruppen weiter an. In der Provinz Afar habe es in der Nacht "heftige Kämpfe" rund um die Stadt Abala gegeben, hieß es am Freitag aus Kreisen humanitärer Helfer. Die Armee habe die Rebellen daran gehindert, in die Stadt einzudringen. Im Norden des Landes kam es unterdessen zu Stromausfällen.
Die TPLF hatte in dieser Woche eine Offensive in den an die Region Tigray angrenzenden Provinzen Amhara und Afar im Nordwesten Äthiopiens gestartet. Am Donnerstag wurden auch aus dem Gebiet Nord-Wollo in Amhara Kämpfe gemeldet, wo sich Äthiopiens berühmte mittelalterliche Felsenkirchen befinden, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Das Gebiet war häufiger von der Fano angegriffen worden, einer örtlichen bewaffneten Gruppe, die nun an der Seite der TPLF kämpft.
Die äthiopische Armee teilte unterdessen mit, mehr als 700 Tigray-Rebellen in der Provinz Amhara getötet zu haben. Zu Toten innerhalb der Armee oder der Zivilbevölkerung äußerte sie sich zunächst nicht.
Die Organisation Netblocks meldete am Freitag eine Störung der Internetverbindungen im Norden Äthiopiens. In der Region Tigray gebe es Berichte über einen "vollständigen Telekommunikationsausfall". Reporter der Nachrichtenagentur AFP konnten ihre Quellen in Tigray telefonisch nicht erreichen.
Die seit langem bestehenden Spannungen zwischen der Regierung und den Behörden im nördlichen Bundesstaat Tigray waren mit den neuerlichen Angriffen auf Afar und Amhara eskaliert. Die TPLF, die am vergangenen Sonntag eine Allianz mit sechs weiteren bewaffneten Gruppen zum Sturz der Regierung geschmiedet hatte, spricht von einem neuen Krieg gegen die Regierungstruppen.
Auch das Nachbarland Eritrea könnte nach Ansicht von Experten auf der Seite der Rebellen in den Konflikt eintreten. "Ich rechne nicht damit, dass dies wieder zu einem ruhigen, niedrigschwelligen Konflikt zurückkehrt", erklärte die Leiterin der Nichtregierungsorganisation Acled, Clionadh Raleigh, in einem Bericht. "Es sind jetzt zu viele Interessen im Spiel."
Im Krieg zwischen der äthiopischen Armee und der TPLF von November 2020 bis November 2022 waren nach Schätzungen der Afrikanischen Union mindestens 600.000 Menschen getötet worden. Das Friedensabkommen von Pretoria beendete die Kämpfe zwar, zentrale Vereinbarungen wurden aber nicht umgesetzt. Dazu gehören die Entwaffnung der TPLF und die Rückkehr hunderttausender Vertriebener.
D.Ricci--INP