US-Justiz: Pentagon darf Sanktionen gegen Anthropic aufrecht erhalten
Im Konflikt mit dem US-Verteidigungsministerium um seine Einstufung als "Sicherheitsrisiko" hat das US-Unternehmen Anthropic eine juristische Niederlage erlitten. Ein US-Berufungsgericht in Washington bestätigte am Freitag die Maßnahmen gegen das Unternehmen durch das Pentagon. Zwar habe Anthropic nicht in böser Absicht gehandelt. In den USA obliege es aber dem "Präsidenten und dem Verteidigungsminister, zu entscheiden, wie die Risiken gegeneinander abgewogen werden", fügte Richter Gregory Katsas hinzu.
Anthropic erklärte, mit der Gerichtsentscheidung nicht einverstanden zu sein. "Wir prüfen jetzt alle Optionen, einschließlich einer weiteren rechtlichen Überprüfung", sagte ein Anthropic-Sprecher.
Der Streit hatte im Februar begonnen, als Anthropic dem Verteidigungsministerium die uneingeschränkte militärische Verwendung des KI-Modells Claude verweigerte. Claude sollte es unter anderem möglich sein, bestimmte militärische Aufträge abzulehnen, zum Beispiel bei der Verwendung vollautonomer Waffensysteme. Medienberichten zufolge kam der KI-Agent auch bei der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar zum Einsatz.
Das Pentagon stufte Anthropic daraufhin Anfang März als "Sicherheitsrisiko in der Lieferkette" ein - bis dahin hatte sich diese Kategorisierung nur gegen ausländische Unternehmen gerichtet. US-Präsident Donald Trump beschimpfte Anthropic damals als "linksradikales, wokes Unternehmen", das "außer Kontrolle" sei.
Die Einstufung verbat es Behördenmitarbeitern und Dienstleistern für die US-Armee, KI-Anwendungen von Anthropic noch zu benutzen. Das US-Unternehmen verklagte die US-Regierung deshalb und erzielte Ende August in einem separaten Verfahren einen Teilerfolg, als eine Richterin die Sanktionen zunächst aufhob. Dabei ging es um ein weiter gefasstes Verbot der Trump-Regierung für Anthropic.
Anthropic ist vor allem für seinen Chatbot Claude bekannt. Das Unternehmen steuert auf einen mit Spannung erwarteten, milliardenschweren Börsengang zu, der dem Konzern fast eine Billion Dollar in die Kassen spülen könnte.
A.Riccobono--INP